Neuzehnhunderteinundachtzig, - vor dreißig Jahren - geht die Hamburg-Welle (heute NDR 90,3) zum ersten Mal auf Sendung; zwanzigtausend Schülerinnen und Schüler folgen dem Aufruf der Schülerkammer Hamburg zum Streik gegen den Schulentwicklungsplan, der die Schließung von 50 Schulen vorsieht. Hans-Ulrich Klose wirft das Handtuch, Klaus von Dohnanyi wird der neue Erste Bürgermeister und Kurt Behrens ruft den Wettbewerb "Jungs un Deerns leest Platt" ins Leben. Seit dreißig Jahre gibt es diesen Wettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet und im Jahr 2011 hat die Behörde für Schule und Bildung zur Teilnahme am 15. Vorlesewettbewerb "Jungs un Deerns leest PLATT" eingeladen. Beim Landesentscheid am 5. Juni 2011 um 10.30 Uhr im Ohnsorg-Theater war das Heisenberg-Gymnasium erneut mit einer Leserin und zwei Lesern vertreten. Drei von unseren Schülerinnen und Schülern unter den sechzehn Besten in ganz Hamburg.
So um die hundert Zuschauer erlebten einen vergnüglichen Sonntagvormittag auf Platt. Zur Einstimmung spielte die Gruppe "Tüdelband"! Vier junge Leute, die von sich selbst sagen, "Sie singen Plattdeutsche Texte - unverstaubt und direkt aus dem Leben. Das ist so "frisch, platt und nordisch" wie eine Mischung aus Heidi Kabel und Jamiroquai".
Zum Abschluss dieses Wettbewerbes auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters zu stehen ist etwas ganz Besonderes. In Vertretung des Hausherrn des Ohnsorg-Theaters, Christian Seeler, begrüßte Frank Gruppe das Publikum und besonders die Vorleserinnen und Vorleser zum letzten Mal im Theater an den Großen Bleichen. Nach 75 Jahren wird das Ohnsorg-Theater diesen Standort verlassen und am 28.08.2011 im Biberhaus die neue Saison eröffnen. Eine Vertreterin der Behörde für Schule und Berufsbildung, Frau Isabell Jannack, überbrachte Grüße ihres Senators. Sie selbst hat vor langer Zeit einmal ein Praktikum in der Malerwerkstatt des Ohnsorg-Theaters gemacht und ist mit dieser Bühne schon vertraut. Anschließend waren die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, ihre Geschichten vorzulesen. Und das taten sie dann auch vor der Kulisse des Bühnenbildes der Ohnsorg-Produktion "Brand-Stiftung" und unter den Ohren einer hochkarätigen, siebenköpfigen Jury.
Durch das Programm führte Gerlind Rosenbusch, die zunächst die Vorleserinnen aus den Klassenstufen 3 und 4 nacheinander auf die Bühne bat. Hannah Behrendt von der Schule Marmstorf vertrat mit ihrer Geschichte "Ulrike" in dieser Klassenstufe den Süderelberaum. Es folgten die Kinder aus den Klassenstufen 5 und 6. In dieser Jahrgangsstufe mussten sich Clara Raut (5b) und Björn Meyer (5c) vom Heisenberg-Gymnasium leider im Bezirksentscheid in Marmstorf Vinzenz Schaak vom Gymnasium Süderelbe geschlagen geben. Dennoch war der Süderelberaum mit Vinzenz Schaak und Fine Meier vom Gymnasium Finkenwerder gleich zweifach in dieser Gruppe vertreten.
Nach einer kurzen Pause leitete die "Tüdelband" musikalisch den zweiten Teil der Veranstaltung ein. Nun waren die Kinder der Klassenstufen 7 bis 9 aufgefordert, ihre Geschichten zu lesen. In dieser Gruppe trat unser dreifacher Landessieger Karsten Meyer (9a) mit seiner Geschichte "Sprit - Swartbrennen" von Rudi Rabe gegen zwei ebenfalls sehr erfahrene Mädchen an. Alina Ly, vom "Plattdeutsch-Kring Wildschwanbrook", die das Walddörfer Gymnasium besucht und Caja Meier vom Gymnasium Finkenwerder, die ebenfalls schon öfter auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters gelesen hat. Alle können nicht nur Plattdeutsch lesen, sondern beantworteten auch die Fragen der Moderatorin auf Platt.
Zum Schluss lasen die Jugendlichen der Klassenstufen 9 bis 13. Für das Heisenberg-Gymnasium ging als Erster Henrik Augstein (10a) mit seiner Geschichte "Jümmers bi vullen Moond" von Willi Mühl in den Wettstreit. Henrik beteiligt sich seit der dritten Klasse immer wieder an diesem Wettstreit und in diesem Jahr steht er zum ersten Mal auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters. Er tritt wie Karsten aber sogar gegen vier Mädchen an. Harman Randhawa und Thu My Ly, die "Säulen" des "Plattdeutsch-Kring Wildschwanbrook", die beide das Abitur auf dem Walddörfer-Gymnasium machen, Alina Hennig von der Heinrich-Hertz-Schule in Winterhude und gegen seine Schulkameradin Inga Schwemin (S4) vom Heisenberg-Gymnasium. Inga, die in diesem Jahr unsere Schule mit dem Abitur verlässt, befasst sich in ihrer Geschichte von Irmgard Harder mit der "Wahrheit".
Dann konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich ausruhen und die Jury musste arbeiten. Das Publikum hatte während dessen großen Spaß mit der Tüdelband und ihrer plattdeutschen Version von "Message in the bottle" - "Bottelbreef"!
Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannte erwarteten dann mit Spannung das Ergebnis, welches von Herrn von Eitzen, dem Organisator des Wettbewerbes, verkündet wurde. Heute hatten die Mädchen die Nase vorn und der Organisator kann mit vier jungen Damen nach Helgoland oder Bremen fahren.
Wir gratulieren Karsten, Henrik und Inga, die das Heisenberg-Gymnasium auch in diesem Jahr würdig vertreten haben, zur Teilnahme an der Endrunde und danken allen Eltern, Großeltern sowie Lehrerinnen und Lehrern, die sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache einsetzen und mit den Kindern Plattdeutsch geübt haben! Man kann nicht in jedem Jahr der Sieger sein, aber Ihr sorgt in jedem Jahr mit Eurer Teilnahme dafür, dass unsere schöne plattdeutsche Sprache nicht ausstirbt.
Hoffentlich ist die Beteiligung im nächsten Jahr, wenn der Verein "Plattdüütsch leevt" zum Mitmachen beim Vorlesewettbewerb "Schoolkinners leest Platt 2012" im Süderelberaum auffordern wird, auch wieder so groß!