Pol&IS

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SCHLAGZEILEN

Militärputsch!
Weltfrieden in Gefahr?
Amerika beschießt sich selbst!

Bei derartigen Schlagzeilen kann man wohl behaupten, dass es bei dem diesjährigen Pol&Is-Seminar um alles oder nichts, Krieg oder Frieden, ging.

Bereits im Vorfeld hatte Herr Wiegräfe uns Abiturienten auf die bevorstehende Fahrt in die Bundeswehrkaserne in Putlos/Schleswig-Holstein vorbereitet. Mehr oder weniger motiviert ging es am 20. Februar diesen Jahres in den Norden Deutschlands, wo uns bereits die zwei Jugendoffiziere Kai Belter und Patrick Söchting erwarteten, um uns sogleich die Regeln zu erläutern. "Alkohol in Maßen, keine wilden Partys und ab zehn Ruhe auf dem Flur", hieß es zu Anfang, was sich im Laufe der Tage allerdings lockerte.

Kaum in Putlos angekommen, begann auch schon das Pol&IS-Seminar. Mit dem Wissen, dass es sich dabei um eine Simulation der Weltpolitik handelte, schienen die drei Tage für einige erwartungsgemäß langweilig zu werden. Doch dazu kam es gar nicht erst...

Nachdem die Posten des UN-Generalsekretärs, der Weltbank, der NGOs (Greenpeace, Amnesty International & Co) und der Weltpresse verteilt waren, wurde unter den restlichen Schülern die jeweilige Position in einem der elf teilnehmenden Länder gelost und jeder schlüpfte (zum Teil sogar mit neuem Namen) in seine Rolle. Während sich Ozeaniens Minister über ihre knappe Ausgangslage enttäuscht zeigten, triumphierten Nordamerikas und Westeuropas Regierungschefs bereits über ihre Posten und hatten schnell ihren ersten Coup geplant: Die Übernahme Ozeaniens. Diese wurde allerdings dank der guten Zusammenarbeit zwischen China und der Weltpresse verhindert, die auch im Laufe der noch folgenden Pol&IS-Jahre einander stets mit geheimen Informationen versorgten.

Doch nicht nur internationale Probleme beschäftigten die jungen Politiker. Auch in der Innenpolitik wurden sie vor große Aufgaben gestellt: Bürgerkriege, Naturkatastrophen, Ernteausfälle und mehr ließen die Wirtschaftslage durch Produktionsausfälle ins Wanken geraten und forderten die Regierungen heraus. Während Herr Karschuk und Herr Wiegräfe sich als Zuschauer im Hintergrund hielten, hatten Kai und Patrick die Fäden in der Hand und initiierten des öfteren Terrorwarnungen, die die sowieso schon vollbeschäftigten Minister unter Druck setzten. Zwar wurde der geplante Krieg Nordamerikas und Westeuropas gegen China in letzter Minute bei der UN-Vollversammlung, die nach je einem Pol&IS-Jahr stattfand, verhindert, doch ließen es sich einige Schüler nicht nehmen in ihrem Land mit dem Bau von Atomwaffen zu beginnen.

Ein weiteres Highlight war die WM, um deren Austragung sich jede Region bewerben konnte. Sketche, Plakate, Gedichte und Musik-Vorführungen sorgten für eine erhebliche Auflockerung und auch unsere Betreuer waren von der Kreativität aller Teams begeistert. Südamerika freute sich über seinen Sieg und die damit verbundenen Vorteile in der Wirtschaft. Nun wurde die WM wirklich zwischen den Regionen in einem spannenden Wettkampf ausgetragen, aus dem Japan als Sieger hervorging.

Zu einem Desaster kam es trotz der überwiegenden Antikriegshaltungen der Staaten dennoch, als Terroristen mit der Sprengung einer Atombombe drohten, sollten sämtliche Al-Qaida-Mitglieder nicht aus den Gefängnissen frei gelassen werden. Es kamen jedoch trotz aller Anstrengungen die Katastrophe noch abzuwenden 3 Millionen Menschen ums Leben, was kein besonders schönes Ende für unser so gelungenes Planspiel war.

Trotz der vielen Schicksalsschläge, die die Teilnehmerländer im Minutentakt zu ereilen schienen, gab es immer wieder Grund zur Freude. So plante Westeuropas ehemaliger Regierungschef nach seiner Abwahl die Eröffnung eines Edelbordells, in dem er insbesondere den osteuropäischen und arabischen Damen Arbeit verschaffen wollte. Die Presse selbst stellte die Bildzeitung mit ihren Klatsch und Tratsch-Geschichten in den Schatten, als Arabiens Königin eine Affäre mit Asiens Staatsminister angedichtet wurde. Und auch die Singlebörse fand sich nicht nur bei den zahlreichen Ministern großer Beliebtheit, sondern ließ auch Herrn Wiegräfe bei seiner Suche im besten Licht dastehen. Auf keinen Fall vergessen werden wir außerdem die einmalige Karaoke-Einlage, die zwei Zuspätkommern als Strafe auferlegt worden war.

Am Rande des Planspiels wurden wir Schüler ordentlich auf Trab gehalten. Dazu gehörte auch das Früh(!)stück, das Langschläfer ziemlich blass aussehen ließ, da die Kantine um sieben Uhr bereits wieder geschlossen wurde. Während der langwierigen Pol&IS-Verhandlungen, kamen die Mahlzeiten als Abwechslung wie gerufen, nicht nur wegen des üppigen Essens, sondern insbesondere aufgrund der dort stationierten Soldaten. Zwei dieser Soldaten erzählten uns einen Nachmittag von ihrer Arbeit bei der "Kampfmittelbeseitigungskompanie" und beeindruckten durch die technisch hochwertige Ausrüstung zur Minenentschärfung im Kosovo und in Afghanistan.

Zu weiteren Freizeitaktivitäten zählte der Besuch in dem kaserneneigenen Kino, das uns noch nachhaltig aufgrund der bedürftigen Tonqualität und der Holzsitze in Erinnerung bleibt. Für begeisterte Sportler ging der Abend oft auch mit einem ausgiebigen, zweistündigen Fußballspiel zuende. Am letzten Abend gaben Herr Wiegräfe und Herr Karschuk dann schließlich mit der Unterstützung einiger Schüler ihr Gesangstalent zum Besten.

Ob nun als hoffnungsvoller UN-Generalsekretär, verzweifelte Wirtschaftsministerin Asiens oder ahnungsloser Staatsminister Chinas: jeder von uns hat einmal ein ganz Großer sein dürfen, auf dessen Schultern die Zukunft eines ganzen Landes lag. Im Nachhinein kann man nur froh sein, dass es bei einer Simulation geblieben ist... Um mit den Worten von Jugendoffizier Kai Belter zu enden: "Finger weg vom Alkohol! Finger weg von den Drogen! Und Weltfrieden!"

Abschlussbericht des Weltpressemagazins
"Nix los, Putlos?! Gestern gewusst, was morgen (nicht) passiert"
von Janina Fischer und Ann-Christin Baur, 2007