Wettbewerbe stehen hoch im Kurs. Die Jugend forscht nicht nur, sie musiziert, sie trainiert für Olympia, sie macht Theater, trägt Debatten aus und setzt Zeichen für Zivilcourage. Mit diesen und vielen anderen oft in der Schule begonnenen Aktivitäten können attraktive Preise und würdige Auszeichnungen errungen werden. Sicher geht es dabei auch um die Möglichkeit der jeweiligen Veranstalter und Sponsoren sich auf dem medial angeheizten Markt der Aufmerksamkeit effektvoll als Förderer und Wohltäter in Szene setzen zu können.
Dies sollte jedoch niemanden von der Teilnahme abhalten. Die Arbeit für Wettbewerbe macht nämlich meistens großen Spaß und bringt eine Menge Erfahrungen im Umgang mit außerschulischen Institutionen, Firmen und Medienvertretern mit sich. Meist werden vielfältige Kontakte geknüpft, die oft für die weitere Interessensentwicklung der Schüler und manchmal auch für ihre späteren beruflichen Wege mit entscheidend sind. Wie im richtigen Leben kommt es allerdings darauf an, zunächst den richtigen Wettbewerb und dann die zueinander passenden Teammitglieder zu finden.
Im Bereich Technik boomt seit einigen Jahren der weltweit ausgetragene LEGORoboter- Wettbewerb, an dem allein in Nordamerika in jedem Jahr viereinhalb Tausend Gruppen verschiedenster Herkunft teilnehmen. Aus den harmlosen LEGOSteinen ist mittlerweile ein raffiniertes technisches Spielzeug geworden, das vom Grundschulbereich bis hin zu den Entwicklungslabors von Eliteunversitäten verwendet wird um den kindlichen Basteltrieb in weltmarktfähige Ingenieurskunst zu verwandeln.
Im Wettbewerb sind die teilnehmenden Teams aufgefordert, einen Roboter zu konstruieren und zu programmieren, der eine knifflige Mission auf einem weltweit standardisierten Parcours erfüllen kann. Die Teilnehmer sollen lernen, über einen längeren Zeitraum hinweg eine vielschichtige Aufgabenstellung zu bearbeiten und im Team zusammen nach Lösungen zu suchen. Der Gründer des Wettbewerbs Dean Kamen schreibt: "In der Geschäftswelt steht man immer wieder vor den gleichen Herausforderungen: Es gilt ein Problem unter Zeitdruck zu lösen und begrenzte Ressourcen geschickt einzusetzen. Ohne zu wissen, wie die Konkurrenz vorgeht, müssen eigenständig funktionierende Lösungen entwickelt werden. Forschen, entwickeln, designen, testen, präsentieren!"
Schüler des Heisenberg-Gymnasiums waren dank der großartigen Pionierarbeit von Mirko Bartsch seit 2003 bereits dreimal im norddeutschen Regionalwettbewerb der LEGO-Roboter vertreten. Dabei wurden viele Erfahrungen gesammelt. Beispielsweise zeigte sich, dass mancher Schüler sein Wahlfach Naturwissenschaften nicht als Gelegenheit zur intensiveren Arbeit in diesem Bereich, sondern irrtümlich als "science light" ansah. Andere gaben sich zwar enorm kooperativ, waren aber nur schwer in der Lage, sich ganz persönlich einem Problem länger als bis zum nächsten Klingelzeichen zu widmen. Kreativität und Stundenplan sind jedoch nur begrenzt kompatibel.
Wenn die jungen Leute den ganzen Tag in der Schule verbringen sollen, benötigen sie dort Freiräume ohne den altindustriellen Stundentakt. Manchmal kommen einem die besten Ideen ja völlig unerwartet, wenn man sich individuell eine Pause nimmt, sich ablenkt oder eine Weile Musik hört. In anderen Fällen muss man stundenlang über einem Programm brüten um endlich den einen kleinen Fehler zu finden, der alles blockiert. Raum für solche offeneren Arbeitsformen im eng durchverwalteten Schulalltag zu schaffen und langsam auszubauen, dies erscheint als eine der wichtigsten Herausforderungen unterwegs zu einer zukunftsfähigen Schule. Die Robotiker haben sich nach manchem Auf und Ab zu einer regelmäßig und sehr intensiv arbeitenden Gruppe entwickelt, die mit großem Einsatz von Mirko Bartsch und Johannes Kreuzer angeleitet wird. Besonders spannend ist dabei die bunte Mischung von Schülern von der 5. über die 8. und 9. bis zu den beiden Coaches aus der 13 Klasse, die sich ihrerseits wieder die neusten LEGO-Programmieranregungen in der TU Harburg abholen. Bereits jetzt fiebern alle den Aufgaben der neuen Wettbewerbsrunde im Herbst entgegen.
Andere Schülergruppen können und sollten diesem Beispiel unbedingt nacheifern und weitere Wettbewerbe ausprobieren.
Februar 06