Der Name unserer Schule

FESTAKT

anlässlich der Verleihung des neuen Namens

Heisenberg-Gymnasium

an das bisherige Gymnasium Göhlbachtal/Schwarzenberg
Mittwoch, den 3. Dezember 1986, 11.00 Uhr
Friedrich-Ebert-Halle
Hamburg-Harburg, Alter Postweg 30

Staatliche Pressestelle der Freien und Hansestadt Hamburg
14. Oktober 1986

Gymnasium Göhlbachtal/Schwarzenberg heißt jetzt Heisenberg-Gymnasium

Am 14. Oktober hat der Senat dem von Schulsenator Grolle eingebrachten Antrag auf Umbenennung des Gymnasiums Göhlbachtal/Schwarzenberg zugestimmt. Es heißt jetzt Heisenberg-Gymnasium.

Zu ihrer Antragsbegründung hatte die Schulkonferenz folgende Argumente angeführt:

Der gemeinsame Name soll das Zusammenwachsen zweier Schulen dokumentieren, deren ursprüngliche Bezeichnungen nicht mehr den Gegebenheiten entsprechen.
Die Nachbarschaft zur Technischen Universität Harburg regt zur Benennung nach einem Naturwissenschaftler an.
Die Schule sieht in dem Nobelpreisträger Werner Heisenberg (1901 - 1976) den bedeutenden Physiker und Philosophen, den verantwortungsbewussten Forscher und Lehrer sowie den Förderer der Wissenschaften über die Grenzen des Fachs und des Landes hinaus.

Heisenberg hat sich während des Hitler-Regimes bewusst gegen die Emigration entschieden, ließ sich aber auch als Nobelpreisträger nicht für die nationalsozialistische Propaganda missbrauchen. Trotz der so bedingten Diffamierung als "Gesinnungsjude oder Charakterjude" erhielt er seine intensiven Auslandskontakte auch während des Krieges aufrecht.

Nach 1945 war Heisenberg bemüht, das internationale Ansehen der deutschen Wissenschaft wieder zu stärken. Zum anderen war es sein Anliegen, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass Wissenschaftler in ihrer Forschung auch politische Verantwortung haben. Zu erinnern ist an das "Göttinger Manifest", das auch von Heisenberg unterzeichnet wurde.

Einen dritten Wirkungsbereich erkennt man in seiner Verbundenheit mit Studenten und jungen Wissenschaftlern, die er u.a. durch seinen langjährigen Vorsitz in der Alexander-von-Humboldt-Stiftung zeigte. Heisenbergs Haltung als Lehrer war geprägt von dem Bemühen um die Erziehung zum kritischen Denken. Dieser Einstellung Heisenbergs fühlt sich die Schule verpflichtet.

Erklärung der 18 Atomwissenschaftler vom 12. April 1957

Die Pläne einer atomaren Bewaffnung der Bundeswehr erfüllen die unterzeichneten Atomforscher mit tiefer Sorge. Einige von Ihnen haben den zuständigen Bundesministern ihre Bedenken schon vor mehreren Monaten mitgeteilt. Heute ist die Debatte über diese Frage allgemein geworden. Die Unterzeichneten fühlen sich daher verpflichtet, öffentlich auf einige Tatsachen hinzuweisen, die alle Fachleute wissen, die aber der Öffentlichkeit noch nicht hinreichend bekannt zu sein scheinen.

  1. Taktische Atomwaffen haben die zerstörende Wirkung normaler Atombomben. Als "taktisch" bezeichnet man sie, um auszudrücken, dass sie nicht nur gegen menschliche Siedlungen, sondern auch gegen Truppen im Erdkampf eingesetzt werden sollen. Jede einzelne taktische Atombombe oder -granate hat eine ähnliche Wirkung wie die erste Atombombe, die Hiroshima zerstört hat. Da die taktischen Atomwaffen heute in großer Zahl vorhanden sind, würde ihre zerstörende Wirkung im ganzen sehr viel größer sein. Als "klein" bezeichnet man diese Bomben nur im Vergleich zur Wirkung der inzwischen entwickelten "strategischen" Bomben, vor allem der Wasserstoffbomben.
  2. Für die Entwicklungsmöglichkeit der lebenausrottenden Wirkung der Strategischen Atomwaffen ist keine natürliche Grenze bekannt. Heute kann eine taktische Atombombe eine kleinere Stadt zerstören, eine Wasserstoffbombe aber einen Landstrich von der Größe des Ruhrgebiets zeitweilig unbewohnbar machen. Durch Verbreitung von Radioaktivität könnte man mit Wasserstoffbomben die Bevölkerung der Bundesrepublik wahrscheinlich heute schon ausrotten. Wir kennen keine technische Möglichkeit, große Bevölkerungsmengen vor dieser Gefahr sicher zu schützen.
    Wir wissen, wie schwer es ist, aus diesen Tatsachen die politischen Konsequenzen zu ziehen. Uns als Nichtpolitikern wird man die Berechtigung dazu abstreiten wollen; unsere Tätigkeit, die der reinen Wissenschaft und ihrer Anwendung gilt und bei der wir viele junge Menschen unserem Gebiet zuführen, belädt uns aber mit einer Verantwortung für die möglichen Folgen dieser Tätigkeit. Deshalb können wir nicht zu allen politischen Fragen schweigen. Wir bekennen uns zur Freiheit, wie sie heute die westliche Welt gegen den Kommunismus vertritt. Wir leugnen nicht, dass die gegenseitige Angst vor den Wasserstoffbomben heute einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Friedens in der ganzen Welt und der Freiheit in einem Teil der Welt leistet. Wir halten aber diese Art, den Frieden und die Freiheit zu sichern, auf die Dauer für unzuverlässig, wir halten die Gefahr im Falle des Versagens für tödlich. Wir fühlen keine Kompetenz, konkrete Vorschläge für die Politik der Großmächte zu machen. Für ein kleines Land wie die Bundesrepublik glauben wir, dass es sich heute noch am besten schützt und den Weltfrieden noch am ehesten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atomwaffen jeder Art verzichtet. Jedenfalls wäre keiner der Unterzeichneten bereit, sich an der Herstellung der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen.
    Gleichzeitig betonen wir, dass es äußerst wichtig ist, die friedliche Verwendung der Atomenergie mit allen Mitteln zu fördern, und wir wollen an dieser Aufgabe wie bisher mitwirken.
Fritz Bopp Werner Heisenberg Wolfgang Paul
Max Born Hans Kopfermann Wolfgang Riezler
Rudolf Fleischmann Max von Laue Fritz Strassmann
Walther Gerlach Heinz Maier-Leibnitz Wilhelm Walcher
Otto Hahn Josef Mattauch C.F.Frhr.v. Weizsäcker
Otto Haxel Friedrich-Adolf Paneth Karl Wirtz

Werner Heisenberg - Biographischer Abriß

Werner Heisenberg wurde am 05.12.1901 in Würzburg geboren. Sein Vater, Dr. August Heisenberg, Sohn eines Schlossermeisters aus Osnabrück, war zunächst Gymnasiallehrer, später in München Professor für Byzantinistik. Heisenbergs Mutter stammte aus München, wo ihr Vater das Max-Gymnasium leitete, das Werner Heisenberg auch später besuchte.

Nach seinem Abitur studierte er in München und Göttingen Physik. Seine Erlebnisse in der Jugendbewegung und die damals geschlossenen Freundschaften waren von bleibendem Wert für sein späteres Leben. Schon als Student begegnete Werner Heisenberg in Göttingen dem dänischen Physiker Niels Bohr. Durch seine wissenschaftlichen Leistungen und durch seine Weltoffenheit, die sich in seiner Zusammenarbeit mit vielen begabten Physikern aus allen Ländern der Erde zeigte, wurde Niels Bohr zum großen Vorbild und Lehrmeister Werner Heisenbergs. Von ihm erhielt er wichtige Anstöße für seine fundamentalen Arbeiten zur Atom- und Kernphysik.

Mit 26 Jahren wurde er Professor für theoretische Physik an der Universität Leipzig. Für seine grundlegenden Arbeiten zur Quantentheorie erhielt er den Nobelpreis für 1932.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erlebte Werner Heisenberg, wie viele seiner Kollegen und engsten Mitarbeiter aus "rassischen Gründen" entlassen wurden und anschließend Deutschland verließen. Andere Physiker bekannten sich offen zum Nationalsozialismus und glaubten, dass die Probleme der modernen Physik auf der Grundlage "völkischen Geistes" gelöst werden müssten. Werner Heisenberg lehnte diese Art von wissenschaftlicher Forschung entschieden ab und unterrichtete seine Studenten auch weiterhin in dem, was er als Wahrheit erkannt und gelernt hatte. In der Verantwortung für seine Studenten und aus Sorge um die Zukunft seiner Wissenschaft entschloss er sich, trotz schwerer Anfeindungen und attraktiver Angebote in Deutschland zu bleiben.

1937 heiratete er Elisabeth Schumacher, die er über die Musik kenngelernt hatte. Vier Jahre später wurde er zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik berufen. Hier in Berlin-Dahlem setzte er seine Arbeiten über die Erschließung der Atomenergie fort. Im Frühjahr 1942 gewann er Klarheit darüber, dass und wie sich Atomreaktoren bauen ließen und wie man mit ihnen Sprengstoff herstellen könnte. Heisenberg verstand es jedoch, dem damaligen Rüstungsminister Speer nahezulegen, dass alle Versuche zur Herstellung von Atombomben unterbleiben sollten, da die Wirtschaftskraft nicht ausreiche.

Nach dem Kriege war Werner Heisenberg zusammen mit anderen deutschen Physikern vorübergehend in England interniert. Dort erfuhr er die Nachricht vom Abwurf der amerikanischen Atombombe auf Hiroschima, die ihn tief erschütterte. Nach seiner Rückkehr 1946 war er am Wiederaufbau der Kaiser-Wilhlem-Gesellschaft, - jetzt Max-Planck-Gesellschaft -, in Göttingen beteiligt. Diese Göttinger Jahre zusammen mit seiner Frau und seinen sieben Kindern gehören zu den glücklichsten in seinem Leben. Außerdem wirkte er im "Deutschen Forschungsrat" und in der "Deutschen Forschungsgemeinschaft" sowie als Präsident der "Alexander-von-Humboldt-Stiftung", die junge ausländische Wissenschaftler in Deutschland fördert und betreut.

Als 1957 Pläne zur Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen bekannt wurden, wandte er sich zusammen mit 17 anderen Physikern - nach den Erfahrungen des 2. Weltkrieges und im Bewusstsein der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft - mit Erfolg gegen diese Absichten der damaligen Bundesregierung.

1958 siedelte Werner Heisenberg mit dem Max-Planck-Institut für Physik und seiner Familie nach München über. Seine Forschungen führten immer stärker über den fachlichen Bereich hinaus zu philosophischen Fragestellungen des Menschen in der Schöpfung. Als Lehrer und Mensch wurde er von vielen - besonders auch jüngeren - Wissenschaftlern verehrt.

1970 legte Werner Heisenberg die Geschäftsleitung des Max-Planck-Instituts für Physik nieder. Sechs Jahre später starb er am 01.02.1976 im Alter von 75 Jahren in seinem Münchner Haus.