Die dritte Auflage von ZOS, so die geläufige Kurzform des Konzepts zur Berufs- und Lebensplanung, fand in diesem Jahr vom 14. bis 19.06.2004 statt. In zwei Seminaren an den Standorten H10 und Heisenberg-Gymnasium mit jeweils 2 ausgebildeten Trainern und 16 Schülern sollte der wichtigen Lebensfrage nachgegangen werden "was will ich wirklich und welchen Weg will ich in meinem Leben gehen?".
Da unsere Schule ein Viertel der Trainer stellt, konnten leider nicht mehr als 10 freiwillige Schüler und Schülerinnen der Vorstufe unserer Schule teilnehmen, obwohl 16 Interessenten sich gemeldet hatten.
Die ZOS - Methoden stammen aus der langjährigen Seminarerfahrung mit Arbeitssuchenden in Baden-Württemberg. Aufgrund der hier gesammelten Erfahrungen wurde schließlich in Kooperation (Kloff & Partner, Wissenschaftsministerium, Uni Konstanz, Oberschulamt Freiburg, Arbeitsamt Freiburg) ein zweijähriges Modellprojekt an der Uni Konstanz für Schüler und Studenten installiert und durchgeführt.
Die ZOS - Seminare sind inzwischen zu einem festen Bestandteil der Berufsorientierung in der gymnasialen Oberstufe in Baden-Württemberg geworden.
Hierzu wurde eine Netzwerkstruktur entwickelt, (mehrere Schulen, das zuständige Arbeitsamt, in der Region liegende weiterführende Ausbildungseinrichtungen), um regelmäßig für die Schüler des jeweiligen Netzwerkes ZOS - Seminare anzubieten.
Seit 1999 werden in Hamburg Lehrer und Mitarbeiter der Arbeitsämter zu ZOS - Seminarleitern ausgebildet, um hier ebenfalls eine Netzwerkstruktur aufzubauen. Inzwischen gibt es in Hamburg mehr als 100 ausgebildete ZOS-Trainer.
ZOS will damit dazu beitragen die Studien- und Berufswahl auf eine sichere Basis zu stellen. Die dafür notwendigen Entscheidungen und ihre Umsetzung sind allerdings Aufgaben, die nicht im Seminar, sondern erst danach von den Schülern angegangen werden können!
Am 14.06. gegen 8.30 Uhr war es wieder einmal so weit: 16 Schüler aus 3 verschiedenen Schulen (Schüler sollen sich neu erleben und möglichst nicht mit bestehenden Rollen konfrontiert werden) trafen sich im Medienraum des Heisenberg-Gymnasiums um an fünf langen Tagen mehr über sich selbst zu erfahren (Fähigkeiten, Ziele). Frau Semm vom Margaretha-Rothe-Gymnasium und ich leiteten sie hierbei an.
Nach einer kurzen Kennenlernphase in Form des Partnerinterviews führten wir an den beiden ersten Tagen eine Reihe von Übungen (Hobby-Analyse, Erfogserlebnis-Analyse, Assessment-Center) durch, bei denen die Schüler in wechselden Kleingruppen ihre Fähigkeiten heraus finden sollten, denn im Beruf wird man vor allem wegen seiner Stärken genommen.
Ab Dienstag stand dann anhand des "Kindheitsberufswunsches" und der Erstellung und Analyse einer Collage (siehe Foto) die Zielfindung im Vordergrund.
Nach dieser Standortbestimmung für jeden Einzelnen ging es dann ab Donnerstag für die Teilnehmer darum, für sich geeignete Tätigkeits- und Berufsfelder zu identifizieren. Hierzu wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt: Nachdem ein Schüler seine Hauptfähigkeiten und -Ziele der Kleingruppe vorgestellt hat, sammelt er Berufe bzw. Tätigkeitsfelder, die die anderen Schüler ihm auf der Grundlage der genannten Fähigkeiten und Ziele zurufen. Nach dem Rüttelprinzip wählt der Schüler aus der Vielzahl von Nennungen 3 Berufsfelder für sich aus.
Am Freitag fand schließlich das Informationsmanagement statt. Jeder Schüler musste für sich einen Organisations- und Aktionsplan aufstellen: Was will ich wissen? Wie gehe ich vor? An wen wende ich mich? Bis wann habe ich meine Aufgaben erledigt?
Um die Umsetzungsrate der Info-Absichten der Teilnehmer zu erhöhen und somit den langfristigen Erfolg des Seminars zu sichern, findet Anfang des Nächsten Jahres ein Nachtreffen statt. Dann berichten die Teilnehmer über ihre Umsetzungen des Aktionsplanes. Außerdem haben am letzten Tag des Seminars die Teilnehmer Briefe an sich selbst geschrieben, in denen sie sich selbst an ihren Aktionsplan erinnern.
Als sehr positiv wurde auch die Seminaratmosphäre empfunden. So ist es nicht verwunderlich, dass alle Teilnehmer dem Nachfolgejahrgang die Teilnahme an ZOS empfohlen haben. Stellvertretend hierfür das Zitat eines Teilnehmers:
Es war zwar ziemlich anstrengend, aber es bringt einen wirklich weiter! Man lernt, wie man richtig über seine Fähigkeiten nachdenkt, sie herausfindet und begründet. Man lernt, wie man die Ziele herausfindet, wie man mit denen umgeht und was man aus den Fähigkeiten und Zielen ableiten kann! Das Seminar ist in jedem Fall gut und bringt einen auf jeden Fall weiter. Eine Teilnahme lohnt sich, wirklich!
Diese Ergebnisse decken sich mit denen der Vorjahre. Sie zeigen, dass diese Form der Orientierung ein wichtiger Baustein für die Lebensplanung der Schüler ist.
Michael Wiegräfe