Normalerweise ist unser Schulhof voll von tollenden Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Altersgruppen. Egal ob groß oder klein, die Pause ist für alle Schüler eine willkommene Abwechslung zum einfältigen Unterricht.
Doch seit geraumer Zeit finden sich am Montag-vormittag nicht nur die Schüler des Heisenberg-Gymnasiums auf dem Gelände ein, sondern auch ein Grüppchen von körperlich, sowie geistig benachteiligten Erwachsenen. Sie kommen von einer Behindertentagesstätte, "der Alsterpalette" und sind Teil eines Projektes des Gymnasiums.
Die Benachteiligten verrichten Gartenarbeiten und ähnliche körperliche Arbeiten auf unserer Schule. Die Tagesstätte stellt ihren Beschäftigten noch eine Menge anderer kreativer und sportlicher Angeboten zur Verfügung, zwischen denen die Beschäftigten je nach Grad ihrer Behinderung entscheiden können. Mit Innen- sowie Außenangeboten werden besonders die Fähigkeiten der Menschen gefördert.
Das plötzliche Auftauchen dieser Gruppe löste bzw. löst bei den Schülern unteranderem bei mir Verwirrung, Hilfslosigkeit und teilweise auch Angst und Ekel aus. Eine natürliche Reaktion auf etwas, was man nicht gewohnt ist und worüber man nicht informiert wurde.
Ich habe mich aufgrund dieses Projektes entschlossen meine Ängste gegenüber Behinderten zu überwinden und nutze das Sozialpraktikum als Chance die Menschen in der Alsterpalette kennenzulernen.
Mit mulmigem Gefühl machte ich mich an meinem ersten Arbeitstag auf den Weg, doch die herzlichen, liebevollen und energiereichen Menschen brauchen noch nicht mal zwei Stunden um mich in ihr Herz zu schließen.
Eine völlig neue und interessante Erfahrung, die ich jedem Schüler empfehlen kann, der den Mut hat seine Ängste zu überwinden, um am Ende dafür belohnt zu werden.
Der Montag der zweiten Woche hatte es dann nochmal in sich. Ich fuhr zusammen mit der kleinen Gruppe zum Heisenberg Gymnasium, meiner eigenen Schule, um dort Gärtnerarbeiten zu verrichten.
Als ich in der Pause die Blicke der bekannten Schüler auf mir spürte und den Schmerz empfand, denn die Behinderten jedes Mal spüren müssen, war ich sehr traurig. Würden sie wissen, was für tolle Menschen in diesem oft ungewöhnlichem Äußeren stecken, würden sie diese nicht so behandeln.
Doch wie schafft man es Benachteiligte mit in die Welt der gesunden Menschen einzureihen?
Das Projekt an unserer Schule ist auf jeden Fall schon ein toller Schritt in die richtige Richtung, und ich hoffe, dass noch viele Schüler lernen diese Gruppe der Menschheit zu akzeptieren. Denn genau das ist es was sie wollen. Die gleiche Akzeptanz und den Respekt, der jedem Menschen in unserer Gesellschaft gebührt.