Im Rahmen des Projekts "Schüler im Chefsessel" hatte ich für einen Tag die Möglichkeit einen Chef bei seiner Tätigkeit zu beobachten und zu begleiten. Dies war am Dienstag, den 29.09.2003 bei dem Unternehmen Meding Plan + Projekt (MPP). Dies ist ein Architekturbüro in Hamburg für eine umfassende Immobiliendienstleistung mit Projektentwicklung, Projektplanung, Projektsteuerung und Projektvermarktung. Im Vorfeld wusste ich nur, dass ich einen renommierten Architekten begleiten werde. Mit diesem Beruf hatte ich lediglich das Zeichnen von Gebäuden verbunden. Meine Vorstellungen gingen dahin, dass ich den ganzen Tag mit dem Chef im Architektenbüro sein werde und eventuell als Zuhörer bei einigen Besprechungen teilnehmen würde. Der Tag verlief jedoch ganz anders. |
Als ich in das Büro kam, wurde ich sehr nett von Jan - Oliver Meding, dem Chef der Firma, empfangen und den Mitarbeitern vorgestellt. Bei einem Rundgang durch das Unternehmen, wurde mir alles gezeigt und erklärt. Danach durfte ich Herrn Meding beim Arbeiten zu sehen. Er musste mehrere Schreiben aufsetzen, was ziemlich lange dauerte, weil zum einen die Sekretärin fehlte. Zum Anderen wurde er kontinuierlich durch Anrufe und Mitarbeiter, gestört, um Fragen zu laufenden Projekten zu klären. Unter anderem war ein Rechenfehler Ursache von unnötigem Stress. Verständlich! Für eine bestimmte Wohnsiedlung fehlten (angeblich) die Schlüssel. Auch zu dieser Sache wurde der Chef ein paar mal befragt, sodass er wieder die Schreiben nicht zu Ende führen konnte. Letztendlich hat er es dann doch irgendwie geschafft. |
Bei seiner Arbeit erklärte er mir den weiteren Tagesablauf. Wir sollten noch zu einer Baustelle. Darauf war ich ziemlich gespannt. Herr Meding hatte dort seinen ersten Auswärtstermin um 11h. Auf der Fahrt dorthin erklärte er mir, dass heute die Abnahme des Auditoriums der Bacurius Law School wäre. Als wir das Gelände erreicht hatten, sah ich schon ein großes Schild, auf dem eine Animation eines Gebäudes zu sehen war. Dahinter stand dann das fertige Gebäude. Wir gingen in das Gebäude. Darin waren noch Handwerker am Arbeiten. Herr Meding sprach mit einem Herren, der für die Elektrik verantwortlich war. Zu einigen Dingen gab es noch Fragen oder Verbesserungswünsche. Beim Kontrollieren beseitigte Herr Meding noch Klebebänder und Folien von einigen Gegenständen. Zwei Arbeiter, deren Werkzeug im Weg stand, wurden von ihm gebeten, dies nicht ganz so sichtbar stehen zu lassen und möglichst schnell die Arbeiten fertig zu stellen. Bei allen mehr oder weniger netten Bitten war die Begründung die Abnahme. |
Kurz nach 11h trafen wir uns mit vier weiteren Herren in dem Neubau. Nur die wichtigste Person fehlte. Die befand sich im Hauptgebäude der Universität. Also wechselten wir das Gebäude. Im anderen Haus fand das Treffen in einem Besprechungsraum statt. Zunächst stellte mich Herr Meding allen Teilnehmern vor. |
Nachdem ein paar Worte zu dem neu errichteten Auditorium gesagt waren, verließen wir den Raum und gingen zurück in den Neubau. Dort sollte nun die Abnahme und Übergabe der Haustechnik stattfinden. Dies wurde durch einen anderen Architekten durchgeführt, der in diesem Fall der Vertreter des Auftraggebers war. Dabei sah auch ich, welche Ausmaße dieses Gebäude eigentlich hat.
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Anfang unserer Begehung war der Keller. Dort waren einige Gewerke noch nicht vollständig fertiggestellt. Der Auftraggeber forderte hier noch Nachbesserungen. Beeindruckt hat mich hier die riesige Lüftungsanlage. Als nächstes wurde der Hörsaal abgenommen. So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen. Die Technik dort fand war auf dem neuesten Stand. Vorallem die Dimensionen des Beamers haben mich fasziniert. Mir war zuvor nicht bewusst, dass es Beamer in solch einer Ausführung gibt. Auch die weiteren technischen Raffinessen in diesem Raum fand ich sehr spannend.
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Lange Zeit zur Pause blieb nicht. Um 14h war der entscheidende Termin an diesem Tag. Herr Meding und ich mussten zunächst zum Bauleiter, wo wir eine Mappe abholten, in der die Mängel der einzelnen Gewerke nach Unternehmen aufgelistet waren. Diese hatte ihm eine Mitarbeiterin gebracht. Von dort ging es dann wieder in den Besprechungsraum. Diesmal sollten zwei weitere Männer dazu kommen. Die eigentliche Abnahme des Auditoriums stand nun bevor. |
Nachdem alles geklärt war, kam es zu einer zweiten Begehung. Als erstes wurde das Erdgeschoss besichtigt. Dort wurde noch einiges beanstandet. Die Mängel werden jedoch umgehend beseitigt. Danach gingen bzw. fuhren wir ins Obergeschoss, um den Hörsaal anzusehen. Dabei wurde der Fahrstuhl auf Funktionsfähigkeit ausprobiert.
Die Technik in dem Raum konnte zu diesem Zeitpunkt nicht hundertprozentig getestet werden, weil kein Vorführungsmaterial ( z.B. CD, Viedeokassette etc. )für die Medien in diesem Raum vorhanden waren.
Die Besichtigung des Hörsaales musste unterbrochen werden, weil Stühle angeliefert worden, die in den Keller sollten. Im Souterrain wurden zunächst die Toiletten in Augenschein genommen. Die Herren fragten sich, wozu denn die Behälter auf der Damentoilette seien. Ich konnte ihnen eine Antwort darauf geben. Der gesamte Keller wurde nun für mich zum zweiten Mal angeschaut.
Danach ging es wieder zurück in den Hörsaal. Nun gab es hier eine Vorführung einer Oper über Videokassette auf der großen Leinwand. Dies war möglich, weil einer der Herren in der Zwischenzeit eine Videokassette besorgen konnte. Nach dem kurzen Ausschnitt der Oper wurde auch die Akustik und die Beschallung getestet. Der Auftraggeber und die anderen Teilnehmer waren sehr beeindruckt. Sie fingen an etwas zu tänzeln. Außerdem wurden auch die Sitze getestet, wobei ich auch mithalf. (Mit Vergnügen, weil meine Füße schmerzten.) Nachdem alles angeschaut war und für gut befunden war, wurde der Hörsaal wieder verlassen. Ich dachte, nun wäre die Begehung beendet. |
Es wurde jedoch eine Leiter entdeckt. Nun bekamen alle Lust, einmal auf das Dach zu klettern, zumal es ein Dachgarten sein sollte. Auch ich kletterte über die Leiter bis auf das Dach. Von dort Oben war ein herrlicher Ausblick. Die Erlebnisse bei der Universität hätten keinen besseren Abschluss finden können! |
Dann ging es an die nächste Aufgabe. Zu einem Projekt, was noch in der ersten Planungsphase steckt, wurden die ersten Entwürfe gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen diskutiert und verbessert. Als dieses Gespräch zu Ende war, gingen die Mitarbeiterinnen von Herrn Meding.
Er selber ging jedoch an seinen Schreibtisch zurück und hatte einen Stapel mit Rückrufbitten abzuarbeiten.
Mittlerweile war die Zeit fortgeschritten. Es war bereits 18.30h! Da es für mich nichts interessantes zu sehen gab, verabschiedete mich Herr Meding und ich das Büro. Herr Meding hatte bestimmt noch länger zu tun.
Der Tag war sehr eindrucksvoll für mich. Ich habe gesehen, was ein Chef alles erledigen muss. Er trägt für alles die Verantwortung. Außerdem habe ich festgestellt, dass ein Chef viele Tätigkeiten abdecken muss, die nicht fachspezifisch sind:
Das Klischee, ein Chef kommandiert, hat nur ein paar Unterschriften zu leisten und sonst nichts zu tun, hat sich für mich widerlegt.